Auxilium Therapeutisches Wohnen

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Was geschieht bei einem Rückfall?

Ein Rückfall während der Behandlungsphase im Auxilium führt nicht zwingend zur Entlassung des Klienten. Jeder Rückfall wird ernst genommen und sowohl im Team, als auch mit dem rückfälligen Klienten kritisch reflektiert.

Im Rahmen der Rückfallaufarbeitung überprüfen wir, aus welcher Haltung heraus der Klient rückfällig geworden ist. In der Sprache der Psychoanalyse gesprochen, hieße das, wir prüfen, ob es sich um einen Ich-synonen oder einen Ich-dystonen Rückfall handelt. Bei einem Ich-synonen Rückfall hat der Klient bewusste Überlegungen angestellt. Er vertritt eine Haltung, die die Notwendigkeit der Abstinenz und damit der gestammten therapeutischen Maßnahme in Frage stellt. In diesem Fall müsste überlegt werden, ob eine Fortführung der Maßnahme sinnvoll wäre. Sollte der Klient bei dieser Haltung bleiben, so würde die Maßnahme beendet.

Bei einem Ich-dystonen Rückfall handelt es sich um einen nicht steuerbaren Prozess. Es besteht eine Dissonanz zwischen dem Rückfall und den bewussten Absichten des Klienten. Bei dieser Art des Rückfalls handelt es sich in der Regel um einen Bewältigungsversuch von psychischen Notsituationen. Der Klient leidet unter phantasierten oder realen Objektverlusten mit drohender Angstentwicklung. In einem solchen Fall würden wir die Therapie fortsetzen.

Die Erfahrung zeigt, dass die Fortsetzung der Therapie nach einem Ich-synon einzustufenden Rückfall intensiver wird. Klient und Therapeuten haben eine Krisensituation gemeinsam gemeistert. Häufig zeigt sich auch, dass je heftiger der Rückfall, desto größer der Schock bei Klienten und Therapeuten und desto größer der Druck gemeinsam an einer dauerhaften Abstinenz zu arbeiten ist.

Aus systemischer Sicht ist Sucht als multikausales Phänomen zu betrachten. Das süchtige Verhalten des Abhängigen ist als hochwirksames kommunikatives Beziehungsregulativ zu verstehen, das hilft, zwischenmenschliche Bedürfnisse nach Nähe und Distanz, Verantwortung, Achtung, Unterstützung, Liebe und Hilfe zu steuern.

Bezogen auf einen Rückfall stellen wir uns daher die Frage, auf welche Situation der Klient mit einem Rückfall reagiert. Wir versuchen zu ergründen, was die Muster des Klienten sind. Hierbei überprüfen wir vor allem die Beziehungsmuster des Klienten. Wir stellen uns, als therapeutischem Team, die Frage, inwieweit wir im Verlauf der Behandlung in der Interaktion mit dem Klienten Muster produziert haben, die denen ähneln, die in der Suchtgenese des Klienten zu süchtigem Verhalten geführt haben.

Um einen Rückfall angemessen aufarbeiten zu können, sind folgende Items bezogen auf den Klienten zu hinterfragen:

  • Art, Menge, Dauer des Konsums
  • Ort (in der Einrichtung, während der Freizeit, auf der Heimreise)
  • Sozialer Kontext (alleine, mit Mitbewohnern, mit Freunden)
  • Zeitpunkt während der Behandlung
  • Nachweisquelle ( selbst offen gemacht, nach Verdachtstest, eigenes Eingeständnis)

Des Weiteren sollten folgende Punkte reflektiert werden:

  • Die Beziehung des Klienten zu seiner Familie
  • Die Beziehung zum sozialen Umfeld und dem Arbeitsplatz
  • Die Beziehung zu und innerhalb der Behandlungsgruppe
  • Die Beziehung zum Therapeuten
  • Die Beziehung zum Bezugsmitarbeiter

Gleichzeitig befasst sich das gesamte therapeutische Team (d.h. sowohl die Therapeuten als auch die Pädagogen) im Rahmen von Selbstreflektion mit den Fragen nach der Qualität des therapeutischen Angebots und der Bezugsarbeit.

Im Falle eines Rückfalls gehen wir wie folgt vor:

  • 1. Schritt: Einzelgespräch des rückfälligen Klienten mit dem zuständigen Therapeuten und dem Bezugsmitarbeiter
  • 2. Schritt: die Rückfallbesprechung im therapeutischen Team
  • 3. Schritt: Gespräch mit Mitpatienten, Therapeut und Co-Therapeut in der zugehörigen Therapiegruppe

Bei der Rückfallbesprechung im Team wird eine Wertung des Rückfalls vorgenommen, Änderung im therapeutischen und pädagogischen Vorgehen besprochen, sowie gegebenenfalls Konsequenzen im Bezug auf den rückfälligen Klienten überlegt.

Der Kostenträger wird bei jedem Rückfall umgehend informiert und in die Aufarbeitung des Rückfalls einbezogen.